Antiquelle

 

Die Quelle

 

Das Motiv „die Quelle“ ist ein bedeutendes Thema in der klassischen und in der aktuellen Kunst. Es ist ein vielsagendes Symbol für Ursprung, für die Reinheit des Lebens und für das Wasser als Ressource. Es steht für Reichtum, eine prosperierende Gesellschaft und in der Mythologie für die Schönheit oder auch für die gebärende Mutter und noch vieles mehr.

Ich interessiere mich für diese vielschichtigen Interpretationsmöglichkeiten der Quelle. Aus der Kunstgeschichte kennen wir das berühmte Gemälde „La Source“ von Jean-Dominique Ingres oder „La Fontaine“ von Marcel Duchamp. Diese beiden Künstler benutzten eine unterschiedliche Formensprache für das gleiche Thema. Ich möchte als Künstler beobachten, was heutzutage die Quelle für uns bedeutet. Der Sinn eines Quells hat sich in der modernen Auffassung geändert und allmählich der Gesellschaft neu angepasst. Mit der technischen Entwicklung wurde unser Leben komfortabler und behaglicher. Im Gegensatz dazu fühlt man einen Mangel in der geistig-moralischen Reife, als ob unsere sittliche Quelle durch die materielle Sattheit versiegt sei. Aber diese Seite der Zivilisationsentwicklung sehe ich als Künstler nicht einseitig und negativ, sondern als eine neue ästhetische Perspektive. Diese möchte ich hier „Antiquelle“ nennen.

Antiquelle bedeutet gegen die Quelle und schließt Phänomene der gesellschaftlichen Massenkultur und der technischen Massenmedien ein. Das führt zu einer Art Antiidentität, zu einer Dekonzentration von Eigentum, zu kollektiver Urheberschaft und zur Koexistenz von sehr ungleichen Lebewesen. Divergenz ist das Grundprinzip. Heutzutage kann man leicht im Internet sehen, dass eine ursprüngliche Form, eine Quelle durch digitale Mittel reproduziert wird und dadurch verloren geht. Es bildet sich eine allgemeine Anonymität.

 

 

 

Konzept - „Die Quelle“ von Dominique Ingres und „Manneken Piss“, ein Symbol der Stadt Brüssel.

 

Mein Projekt besteht aus vier Teilen. In jedem Abschnitt wurde von mir die Quelle als ein Motiv der Kunstgeschichte zitiert. In meinem Projekt Antiquelle geht es um eine Malerei in Pixeln. Aus optischen Gründen existieren in meinen Bildern die abstrakte und die figurative Malerei neben- und ineinander.

 

 

Teil 1: Antiquelle, Malerei auf Leinwand

Teil 2: Meine Quelle, Interaktive Aktion

Teil 3: Antiquelle II, Malerei auf  Leinwand

Teil 4: Manenken Pis, Installation

Pixelmalerei

Teil 1: Malerei auf Leinwand.

Statt einem schönen nackten Mädchen bei Ingres habe ich einen nackten Mann gemalt. In dem Gemälde hält er einen Plastikeimer auf der Schulter, aber es fällt kein Wasser heraus. Deswegen erscheint das Bild ironisch und verweist eher auf das Motiv des Mangels. 

 

KUNSTAKTION

 

Meine Quelle 2012 - 2013​​​​​​

 

 

 

Meine Quelle, abgezogene Farbe, 180 x 80 cm, 2013

Teil 2: Interaktive Aktion.

Während der malerischen Arbeit habe ich die Farbreste von der Palette abgezogen. Sie sind in ihren Tönen identisch mit meinem Gemälde. Diese Tätigkeit Mit dem Abziehen der Acrylfarbe startete ich einen weiteren Kunstprozess. Die Farbkrümel und -Schnipsel sind für mich wie eine abgestreifte Haut und gehören weiterhin zum Ursprung des Bildes. Als nächsten Schritt habe ich diese Farbreste als ein Rohmaterial inszeniert und wie einen Pool ausgebreitet, um dann ausgewählte Leute mit verschiedenen allgemeinen Berufen daraus schöpfen zu lassen. Ich wollte ihnen diese kreative Masse wie eine Quelle anbieten, um sie mit ihnen teilen und zelebrieren zu können. Das heißt, die Quelle wird trockengelegt und anschließend anderen Menschen angeboten, damit sie ihrerseits etwas Neues daraus entwickeln können. Verschiedene Menschen sehen in Bezug auf ihren jeweiligen Kontext unterschiedliche Dinge in dem bunten Rohmaterial. Dennoch bleibt der Stoff verbindlich.

Kunstaktion mit TeilnehmerInnen     13.08.2013 bis 10.09.2013

 
Klicken Sie auf das Bild um Intervew der TeilnehmerInnen zu sehen.

Antiquelle II

 

Tiel 3: Malerei auf Leinwand

 

Während der interaktiven Kunstaktion habe ich parallel an konzeptueller Malerei gearbeitet und ausgetrocknete Erde auf eine Leinwand gemalt. Die schrumpfende Farbe lässt Leerstellen entstehen, die ich nach und nach mit Ersatzfarbe aufgefüllt habe. Wenn die Aktion fertig ist, wird der Bild der ausgetrocknete Erde auch gleich vollendet. Mein Absicht ist, dass die abgezogene Farbe in der Aktionsfrist alles geteilt werden lässt. Die Kunstaktion sei identisch wie mein Bild. Meine Quelle langsam trocknen und austrocknen. Das heißt je mehr meine Quelle in der Aktion ausgeschöpft wird, desto vollkommener wird mein Projekt sein.  

Ausstellungsansicht, Antiquelle, Installation mit Dokumentationen, Künstlerforum Bonn, 2013

Manneken Pis

 

Teil 4: Installation

 

Nach der Kunstaktion habe ich die übrigen Acrylfarbreste als eine plastische Masse zu einer Skulptur geformt und ein Abbild des berühmten Manneken Piss geschaffen.

 

Manneken Pis, Bleistift auf Papier, 21 x 19 cm, 2013
 

Manneken Pis auf Treppe, 2013

Installation, 100 x 500 x 130 cm,

Styroporplatte, abgezogene Farbe

Cristal Resin, Künstler Forum Bonn