Position Links.2 Rechts.3​

Position Links.2 Rechts.3“ /Installation

In dieser Installation in der Galerie S.Y.L.ANTENHEIM /Bonn reflektiere ich das Motiv das Besondere und die Allgemeinheit. In meiner Arbeit geht es um die Eigenschaften von Menschen als individuelle Charaktere und um Menschen in der Masse von Gesellschaft.

In meinen Zeichnungen verwende ich Parabeln und Metaphern, um den Menschen als Einzelnen und sein Auftreten in Gruppen, gleich Tieren in großen Herden zu fokussieren. 

Als Künstler mit koreanischen Wurzeln beobachte ich Bewohner von Mega-Citys aus soziologischen und evolutionären Gesichtspunkten. Verkehrsbahnen, Bewegungsströme und der alltägliche Lebensrhythmus einer Großstadt sind analog dem Verhalten von Tieren in großen Rudeln, wie etwa von Vögeln, Rindern oder Bären, die als soziale Wesen durcheinander, hin- und herschwärmen. 

In der Zeichnung „Masse 2o15“ hat sich ein menschliches Portrait in einer Krähenschar versteckt und verweist auf eine optische Ambivalenz. Wechselwirkungen werden gerne verwendet, um den Blick aus verschiedenen Perspektiven auf ein Phänomen zu lenken. Ich erstelle in meinen Arbeiten oft detailreiche Strukturen, die das Auge des Betrachters über das gesamte Format streifen lassen, und stelle dem das Prinzip einer konzentrierten Figur gegenüber. Das Einzelne im Kleinen ergibt bei der Ansicht aus großer Entfernung ein facettenreiches, übergeordnetes Muster. Das Detail stiftet gewissermaßen das Gesamtbild. Es handelt sich um das Ferne- und Nähespiel, wobei die Objekte in der Nahsicht dem realistischen Objekt und in der Weite einer Abstraktion verpflichtet sind. Der Betrachter kann verschiedene Perspektiven und Standorte beziehen und es werden ihm unterschiedliche Interpretationen angeboten. Der Wechsel zwischen Überschau und genauer Ansicht beim Heranzoomen verweist auf die changierende Beziehung von Masse und Individuum.

Die Absorption des Einzelnen von der Gruppe, von der Gesellschaft, zeigt die Gefahr an, dass man als alleiniger Mensch in der Masse untergehen könnte.

 

 

Flyerbild „Position L.2 R.3", Foto von Euncheol Choi, 2016 

„Eisscholle auf getrockneter Erde“ /Zeichnung und „Zuckerstadt“ /Installation   

 

In diesem Werk möchte ich verschiedene visuelle Beobachtungen ausarbeiten, um viele Interpretationen mit offenem Ausgang zu provozieren. Seit 2013 habe ich begonnen mich mit dem Sehen und dem Prinzip der Augentäuschung zu beschäftigen. Wir wissen, dass in unserem Alltag der Sehsinn eine herausragende Rolle einnimmt. Nur vermeintlich sehen wir wirklich, was wir zu sehen meinen. All zu oft mischen sich andere Wahrnehmungen, gar innere Vorstellungen und Erinnerungen ins scheinbar aktuelle, äußere Bild. Gewöhnlich unterscheiden wir nicht die verschiedenen Ebenen der Wahrnehmung und bemerken auch nicht, wenn wir einer optischen Täuschung unterliegen. Selbstverständlich sehen wir ständig ein Motiv vor uns und erleben uns direkt im Umgang mit demselben oder in der Reaktion darauf. So gesehen sind alle Wahrnehmungen gleich, da wir meist nur mit dem Inhalt unseres Handelns beschäftigt sind und nicht damit, die Wahrnehmung selbst zu differenzieren oder sie einzeln zu identifizieren. Kaum, dass wir die Vorstellung von der Wirklichkeit trennen. Wir zweifeln nur selten an unserem Augenschein. Die Philosophie hat das Phänomen der Wahrnehmung oft beleuchtet und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen in der Auffassung der Wirklichkeit. Wenn wir aber allein die physiologische Qualität befragen, wird schnell deutlich, dass der Mensch eine völlig andere Anschauung seiner Umgebung gewinnt als beispielsweise eine Libelle durch ihr Insektenauge. Subjektiv glauben wir stets, was unsere Augen uns zeigen und wir vertrauen darauf, auch wenn es eine optische Täuschung ist. 

Bei der Zeichnung „Eisscholle auf getrockneter Erde“ habe ich anhand einer Fotografie ein geografisches Muster von getrockneter Erde als Grundstruktur benutzt, um diese mit den äußeren Formen von Eisbären nachzustellen und anzureichern. Man sieht Eisbären, die sich gruppieren wie getrocknete Erde. Das ist an sich schon ein inhaltlicher Widerspruch, gleichzeitig versuche ich eine Annäherung von gegensätzlichen Stoffen und Substanzen zu finden. Daraus entsteht eine ungewöhnliche und sehr merkwürdige arktische Landschaft am Nordpol. 

 

Die Zeichnungen „Riss1“ und „Riss2“ verfolgen ähnliche Motive, sie sind wie ein Diptychon angeordnet und bilden somit ein einziges, großes Format. Diese Arbeit ist ausschließlich mit türkisfarbenem Buntstift auf Papier ausgeführt. Man sieht Eisbären in vielfältigen Positionen und Anordnungen. Sie sind realistisch und sehr detailreich ausgearbeitet. Die Bären stehen teilweise solitär oder in direktem Kontakt zueinander, nehmen oft typische Positionen von Tierbildern ein. Die Motive nehmen eine doppelte Funktion im Bildganzen ein. Zum einen formulieren ihre Konturen eine Struktur von Eisschollen aus, die wie üblich von nahem gut sichtbar sind, und aus größerer Distanz sogar einen besonderen ästhetischen Reiz entfalten. Zum zweiten sehen wir eine schier endlose Menge von Eisbären, deren große Anzahl mit nicht nachlassender Akribie in allen Details ausgearbeitet wurde. Die Bären generieren einzig mit ihren Körperformen die Eisschollenlandschaft. Die Tiere der arktischen Extremgefilde verweisen unmittelbar auf das aktuell ständig präsente und hochbrisante Thema des Klimawandels. Damit wird künstlerisch auf eine soziologische und ökologische Problematik in unserer globalisierten und industrialisierten Welt angespielt. 

Die Diptychon - Anordnung des Bildes, also mit einem Spalt in der Mitte, kann darstellungstechnisch ebenfalls als ein Werk mit potenziellem Riss verstanden werden, der hier auch den Titel gibt. 

„Position Lins.2 Rechts.3", Installationsansicht,11/ 2016, S.Y.L.ANTENHEIM

„Riss I", „Riss II",2016, Bleistift auf Papier, 150 x 150 cm

Detailansicht  „Riss I","Riss II"

„Zuckerstadt“

 

Die Installation „Zuckerstadt“ ist eine Arbeit, die sich variabel auf den jeweiligen Raum der Präsentation einlässt. Sie besteht ausnahmslos aus Zucker, der auf dem Grundriss einer Großstadt eine spezielle Anordnung findet. Ich verwende Würfelzucker, sogenannten Kristallzucker aus Rübendestillat, also aus Pflanzensaft. Der Zucker ist zu kleinen, meist quaderförmig getrockneten Würfeln gepresst.

Er dient mir als künstlerisches Material und entspricht als Konstruktionsbaustein einem Pixel, dem kleinsten technischen Darstellungselement auf einer digitalen Monitoroberfläche. 

Zudem interessiere ich mich für die Geschichte des Zuckers. Im 18. Jahrhundert war der Süßstoff ein Symbol der Industriegesellschaft. Die Großproduktion brachte entsprechende soziale Elendsstrukturen hervor und führte vor allem in den Großstädten zur industriellen Revolution durch die Arbeiterklasse. Die Plantagenwirtschaft in Europa im 18. und 19. Jahrhundert trennte die Gesellschaft zudem und förderte eine strenge Klassifizierung in soziale Schichten, was den Konflikt natürlicherweise noch verschärfte. 

Die Problematik wirkt bis in die heutige Zeit fort und hat weitere Probleme in den Auswirkungen von Zucker geschaffen. Etwa die Zuckerkrankheiten und das Übergewicht bei Kindern und Erwachsenen, weshalb in einigen Staaten bereits eine extra „sugar-tax” eingeführt wurde, um den Konsum einzuschränken und die damit verbundenen Krankheiten zu mindern. Im Gegensatz dazu verhärtet sich immer noch die soziale Ungleichheit, und die Kluft zwischen Reich und Arm wird immer größer. 

Vor diesen Phänomenen betrachte ich die Mega-City. Hier steht der Reichtum gegenüber der Armut in sehr deutlichem Kontrast. Als Künstler nehme ich die Städte, in denen ich lebe und gelebt habe als Projektidee und baue Objekte nach ihnen in Form von Zuckersiedlungen. Ich denke, dass der Zucker wie ein durch Menschenhand gebautes hohes Gebäude ist, das leicht zerbrechlich, löslich und auflösbar ist wie Schnee oder Eis. In der Installation „die Zuckerstadt“ wird mit werkimmanentem Material eine mehrdeutige Übereinstimmung mit dem Symbol der Großstadt erreicht. 

In der Ausstellung „Position Links.2 Rechts.3“ in der Galerie S.Y.L.ANTENHEIM /Bonn kommen alle die hier genannten Werke zusammen. Euncheol Choi inszeniert eine merkwürdige, arktische Landschaft mit Eisbärzeichnungen „Rissl“ und „Riss2“ an den Wänden, eine Installation “die Zuckerstadt“ am Boden, und Grafiken der getrocknete Erde, die an den gegenüberliegenden Wänden hängen.

Das Publikum ist mitten hinein gestellt und muss sich neu orientieren und fragen, ob es sich  vielleicht um eine vielfältige Augentäuschung handelt, oder um eine Zuckerstadt, oder etwa um eine dramatische Skulptur aus Eisschollen.

 

Was ist der Boden der Tatsachen? Was ist die Wirklichkeit?

Position Links.2 Rechts.3 & Zuckerstadt, 2016

Installation, Würfelzucker auf Boden, 480 x 480 x 30cm

Flug auf Zuckerstadt, 2016, Video 01:10 min, S.Y.L.ANTENHEIM

„Gegen Substanz", 2016, Farbstift auf Papier, 25 x 25cm,13 Seite

„Trift", 2016, Farbstift auf Papier, 42 x 21cm

„Welle", 2016, HD Video 03:01min, Installation mit Würfelzucker

Video Szene „Welle"

Passanten auf Maxstr.55_S.Y.L.ANTENHEIM,2016