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Tuesday, September 27, 2016

Euncheol Choi

 

Die Videoinstallation „Welle“5 ist mit ihren Ausmaßen von 300 x 200cm und dem zentralen Aufstellungsort eine prägnante, herausragende Arbeit des Künstlers Euncheol Choi, in der Bezug auf die Kontinuität von Wellenmustern genommen wird und ihre Darstellung durch Pixelmalerei. Die Darstellung der Wellen durch Pixel macht insbesondere gleiche und ungleiche, weiße, graue und schwarze Flächen sichtbar, die sich jedoch nur momenthaft bilden und sich immer wieder transformieren. Die Pixelmalerei ist eine künstlerische Möglichkeit der Darstellung von Wellenmustern, dabei kann der Pixel für ein Wasserteilchen stehen, das sich unaufhörlich in der Masse von Wasserteilen bewegt. Das Auge ist also bei der Kontemplation der Welle gezwungen, zwischen den einzelnen Pixeln und Pixelflächen zu springen und sich in ihrem Verschwinden selbst als Betrachter zu verlieren. Es handelt sich bei der Videoinstallation, um ein Closed-Circuit Verfahren, dadurch wird es möglich das Video immer erneut abzuspielen ohne, dass ein Anfang oder ein Ende für den Betrachter erkennbar wird. Diese scheinbare Absenz von Alpha und Omega, Anfang und Ende wird genutzt, um die Kontinuität von Ebbe und Flut, von unaufhörlich aufeinanderfolgenden Wellen, die auf der flachen Ebene brechen, sich zurückziehen, um wieder zu brechen, darstellen zu können. Dieses Prinzip von Brechen und Zurückziehen wird zu einer dargestellten physikalischen Gesetzmäßigkeit, die sich als hoheitliches Prinzip durch die gesamte Ausstellung trägt.

„Mit der technischen Entwicklung wurde unser Leben komfortabler und behaglicher. Im Gegensatz dazu fühlt man einen Mangel in der geistig-moralischen Reife, als ob unsere sittliche Quelle durch die materielle Sattheit versiegt sei. Aber diese Seite der Zivilisationsentwicklung sehe ich als Künstler nicht einseitig und negativ, sondern als eine neue ästhetische Perspektive. Diese möchte ich hier „Antiquelle“ nennen.“6

Die Rauminstallation „Antiquelle“7 steht in einem engen räumlichen Bezug zu der Videoinstallation „Welle“ und kann deshalb durch die gegenseitige Wechselwirkung in einem ästhetisch-interpretativen Zusammenhang betrachtet werden. In „Antiquelle“, so beschreibt der Künstler, habe er versucht ausgetrocknete Erde auf die Leinwand zu malen, dabei bildeten sich Leerstellen durch die sich zusammenziehende Acrylfarbe auf dem Holzmaterial. Diese Leerstellen wurden durch eine Ersatzfarbe ausgefüllt, so dass nach dem Ende einer jeden Aktion, für den Künstler das Bild selbst vollendet wird. Euncheol Choi beschreibt diesen Prozess als Teilung der Farbe und als Trockenlegung seines künstlerischen Ichs:

„Meine Quelle, langsam trocknen und austrocknen. Das heißt, je mehr meine Quelle in der Aktion ausgeschöpft wird, desto vollkommener wird mein Projekt sein.“8

Euncheol Choi legitimiert sein Werk, indem er die allgemeine Anonymität des modernen zeitgenössischen Künstlers herausstellt, sowie die Frage nach dem künstlerischen Original stellt, das als Massenmedium kommerzialisiert und unendlich dupliziert wird. Die „Antiquelle“ folgt formal und inhaltlich dem Grundprinzip der explizit genannten Divergenz, sprich der Darstellung der Vielfalt auf den 9 Holzplatten bis hin zur Wahrnehmung eines Nichtvorhandenseins von Grenzwerten.

„Antiquelle bedeutet gegen die Quelle und schließt Phänomene der gesellschaftlichen Massenkultur und der technischen Massenmedien ein. Das führt zu einer Art Antiidentität, zu einer Dekonzentration von Eigentum, zu kollektiver Urheberschaft und zur Koexistenz von sehr ungleichen Lebewesen. Divergenz ist das Grundprinzip. Heutzutage kann man leicht im Internet sehen, dass eine ursprüngliche Form, eine Quelle durch digitale Mittel reproduziert wird und dadurch verloren geht. Es bildet sich eine allgemeine Anonymität.“9

In den Zeichnungen „Riss 1“ und „Riss 2“, 10 die wie ein Diptychon angeordnet sind, benutzt Euncheol Choi den blauen Farbstift für die Darstellung von Eisbären in multiplen Posen und detailreich ausgearbeiteten Zeichnungen. Diese stehen teilweise allein oder in Kontakt mit anderen Eisbären auf der Papierfläche und nehmen eine doppelte Funktion im Bild ein: Ihre äußeren Formen bilden im Bildzusammenhang Eisschollen aus, die von Nahem sichtbar aus größerer Distanz jedoch besonders ästhetisch auffällig sind. Aufgrund der schieren Menge an Darstellungen, die keinesfalls die Qualität der Ausarbeitungen mindert, wird eine ganze Eisschollenlandschaft generiert, die durch das Symbol des Eisbären für den Klimawandel, thematischen Bezug nehmen auf die sozioklimatische Problematik der globalisierten, industrialisierten Weltgesellschaft.

Die Anordnung des 8 Wie Anmerkung 6.9 Wie Anmerkung 6.10 Riss 1, Riss 2, 150 x 157 cm, Farbstift auf Papier, 2016. 7

Bildes als Diptychon kann ebenfalls darstellungstechnisch als Riss im Werk selbst verstanden werden.
In der Arbeit „Gegen Substanz“11 konzentriert sich der Künstler auf die Darstellung von geometrischen Körpern, am Beispiel des Würfels werden mögliche Raumlösungen entwickelt und durch eingefärbte Flächen transparent gemacht. Der Künstler referiert in „Gegen Substanz“ auf das geometrische Raumdenken, dies kann als Impuls für eine eigene Entwicklung geometrisch-räumlicher Vorstellungskraft genutzt werden.

 

 

5 Euncheol Choi, Welle ,350 x 200 cm, Video Installation, 2016.

6 Euncheol Choi, 2016.

7 Anti-Quelle teil 3, 300 x 200 cm, Acryl Malerei auf Holz, 2013.

 

Ausgestellte Werke:

Welle

350 x 200 cm, Video Installation, 2016

Anti-Quelle teil 3

300 x 200 cm, Acryl Malerei auf Holz, 2013

Riss1, Riss 2

150 x 157 cm, Farbstift auf Papier, 2016

Gegen Substanz

Serie 13 Stück, 25 x 25 cm, Farbstift auf Papier, 2016 

 

                                                                                                                           Yannick Anis Schillen 

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