SPACE MONTAGE


Review:

SPACE MONTAGE: eine Retrospektive


Das gemeinschaftliche Ausstellungsprojekt SPACE MONTAGE fand 2015 im Kunsthaus Rhenania in Köln unter der Beteiligung der KünstlerInnen Jiwon Han und Bohee Choi, Euncheol Choi, Injung Sun, Soo Hong, Mihyun Jeon statt. Die aus Korea stammenden KünstlerInnen verfolgen den An- spruch mit ihrer modernen, konzeptuellen Art ehrlich Einfluss auf die europäische Kunst zu nehmen, dabei tritt die Freiheit künstlerischer Intuition in vordergründiges Interesse. Gattungsübergreifend bedienen sich die Künstler einer Plurimedialität an Alten und Neuen Medien, die sie für ihre eigene Definition von Kunst ästhetisch, sowie interpretativ umdeuten. Die Montage von Zeit, Räumen, Images, Collagen, Objekten, etc. in Video und (Raum-)Installationen, Zeichnungen und Fotografien kulminieren zu neuen Identitätsästhetiken.


Euncheol Choi


Euncheol Choi beschäftigt in der Ausstellung „Space Montage“ insbesondere das Phänomen Kon- zentration von Masse im Hinblick auf die Selbstwahrnehmung des Individuums und die Darstel- lung der Konstruktion von Raum und Zeit. In dem Werk „Masse“5 wird das Motiv des Vogels synthetisiert, als Fusion einer Masse von Vögeln dargestellt. Die Masse an Tieren steht in gegensätz- licher Beziehung zum isolierten Individuum, das in der Masse verschwindet. In dem Werk „Zu- ckerstadt“6 werden die Stadtprofile der Städte Seoul und Köln aus der Vogelperspektive fusioniert

visualisiert, dadurch wird die Montage von Räumen unverkennbar dargestellt. Die urbane Infrastruk- tur der Städte wird mittels tausender quadratischer Zuckerwürfel in einer dreitägigen Produktions- phase herausgearbeitet, dies ist von besonderer persönlicher Bedeutung für Euncheol Choi, der sich selbst als „Stadtkind“ versteht. Der innere Konflikt der binationalen Identitätsbildung findet hier in- terpretativ eine Projektionsfläche im Werk selbst.

In „Zeitmontage“7 ist der Titel Programm: von rechts nach links werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft prozessartig und symbolhaft in landschaftliche Arrangements eingebettet. Die eingefüg- ten Objekte scheinen miteinander zu korrespondieren, obwohl ihre augenscheinlich divergierende Materialität sie in verschiedenen Bildebenen anzusiedeln scheint. Andere Motive, wie die Gruppe rechts, zitieren bekannte Werke der Kunstgeschichte (in diesem Fall Manets „Déjeuner sur l’herbe“, 1863).

Die Anordnung des Triptychons in zunächst verkehrt herum erscheinender Weise eröffnet eine neue Perspektive auf Zeit und Zeitverständnis. Die Konstruiertheit dieses wird freigelegt und hinterfragt. Auch der doppelte Horizont deutet an, dass es mehr gibt, als nur das stringente Hinfortschreiten der Zeit. Der Raum öffnet sich und zeigt die Zeit als vierte Dimension, gleichzeitig aber auch eine vierte

Dimension der Zeit, die jenseits von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegt. Die Figuren, die so wandelbar in den Raum gefügt sind und ihre Erscheinung bei genauerer Betrachtung zu verändern vermögen (wie der mittige ‚Busch‘, der sich schließlich als verkleinerte Menschenmasse entpuppt), zeigen die Wandelbarkeit des Lebens.


5 Euncheol Choi „Masse“150 x 170cm, Bleistift auf Papier, 2015. 6 Euncheol Choi „Zuckerstadt (Seoul und Köln)“, Installation, 200cm x 300cm, Würfelzucker auf schwarzem Sand, 2015. 7 Euncheol Choi „Zeitmontage“, 119 x 170cm, Tusche und Bleistift auf Papier, 2014.

Yannick Anis Schillen

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